In einer Nacht, die nicht nur wegen des Spielstands, sondern auch wegen des Hauch von Geschichte in Erinnerung bleiben wird, hat Manuel Neuer seinen Namen noch tiefer in die Annalen des europäischen Fußballs gemeißelt. Der deutsche Kapitän und Bayerns unerschütterliche letzte Verteidigungslinie feierte seinen 100. Sieg in der UEFA Champions League – ein Meilenstein, den nur wenige Spieler in der Geschichte dieses Wettbewerbs erreicht haben.
Die Allianz Arena brach in tosenden Applaus aus, als der Schlusspfiff ertönte. Es war nicht nur ein weiterer Schritt in Bayerns europäischem Weg, sondern auch ein persönlicher Triumph für einen Torhüter, der seine Position neu definiert hat. Von seinem ersten Auftritt im Turnier als junges Talent bei Schalke 04 bis hin zur Verkörperung des modernen Torwartspiels beim FC Bayern München war Neuers Weg nichts weniger als revolutionär.
Bekannt als „der mitspielende Torwart“, hat Neuer nicht nur das Tor bewacht – er hat die Rolle des Keepers neu interpretiert. Mit Vorstößen weit außerhalb des Strafraums, dem Zerstören von Angriffen noch im Ansatz und präzisen Pässen, die Konter einleiten, hat sein Stil eine neue Generation von Torhütern inspiriert. Der gestrige Erfolg war nicht bloß eine Zahl, sondern ein Symbol für ein bleibendes Vermächtnis.
Ehemalige wie aktuelle Mitspieler überschütteten ihn mit Lob. Ex-Kapitän Philipp Lahm beschrieb ihn als „eine Mauer, die jedem Verteidiger Vertrauen einhaucht.“ Der aktuelle Trainer Thomas Tuchel hob vor allem seine Ausdauer und Führungsstärke hervor: „Um 100 Spiele auf diesem Niveau zu gewinnen, braucht man nicht nur Talent, sondern auch Widerstandskraft, Disziplin und einen nie endenden Hunger. Manuel hat all das.“
Neuer selbst zeigte sich gewohnt bescheiden und stellte das Team in den Vordergrund. „Das ist ein Mannschaftssport,“ sagte er nach dem Spiel. „Jeder Sieg gehört uns allen, nicht nur mir. Aber ja, es fühlt sich besonders an. In diesem Wettbewerb zu spielen, über so viele Jahre auf diesem Level zu kämpfen – das ist ein Privileg.“
Für die Bayern-Fans war dieser Abend jedoch mehr als Statistik. Er erinnerte sie daran, dass sie die Spätphase eines Ausnahmespielers miterleben, der ihre Träume über ein Jahrzehnt lang beschützt hat. Und als Neuer die Faust in Richtung der Tribüne reckte, war sowohl Feier als auch Wehmut zu spüren.
Hundert Siege. Hundert gewonnene Schlachten. Die Legende Manuel Neuer wird nur noch größer.