– Was als reguläres Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC St. Pauli begann, endete am Dienstagabend in einem Fiasko. Nach dem 0:2-Endstand für die Schwaben eskalierte die Stimmung im Gästeblock: Hunderte St. Pauli-Anhänger randalierten, demolierten Sitzreihen und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.
Augenzeugen berichten, dass die Stimmung bereits gegen Ende der zweiten Halbzeit angespannt war. Nachdem Stuttgart durch ein Tor von Serhou Guirassy in der 78. Minute endgültig den Sieg sicherte, flogen erste Becher und Fahnenstangen in Richtung Spielfeld. Kurz darauf stürmten mehrere Fans den Blockzaun und versuchten, den Innenraum zu erreichen. Ordner und Polizei rückten sofort an, um eine Platzstürmung zu verhindern.
„Es war eine aggressive und bedrohliche Situation. Wir mussten binnen Sekunden Verstärkung anfordern“, erklärte Polizeisprecherin Claudia Hennig in der Nacht. Rund 300 Beamte seien zusätzlich in die Arena beordert worden.
Die Lage spitzte sich nach Abpfiff zu. Mehrere Stuhlreihen im Gästebereich wurden herausgerissen, Bengalos gezündet und sogar kleinere Brände entfacht. Dichter Rauch hüllte Teile des Stadions ein, während aufgebrachte Fans gegen Absperrungen drängten. Feuerwehr und Sanitäter mussten anrücken, um Verletzte zu versorgen. Laut offiziellen Angaben wurden mindestens 27 Personen verletzt, darunter zehn Polizisten und fünf Ordner. Zwei St. Pauli-Fans befinden sich mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.
VfB Stuttgart zeigte sich schockiert. „Wir verurteilen diese Szenen auf das Schärfste. Fußball ist Leidenschaft, aber Gewalt hat in unseren Stadien keinen Platz“, erklärte Vereinspräsident Alexander Wehrle. Auch der FC St. Pauli distanzierte sich klar von den Ausschreitungen: „Einige wenige Chaoten haben das Bild unserer Fans massiv beschädigt. Wir werden Konsequenzen ziehen.“
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kündigte noch in der Nacht ein Ermittlungsverfahren an. St. Pauli drohen empfindliche Geldstrafen, mögliche Geisterspiele oder gar Teilschließungen von Tribünen.
Abseits der Eskalationen geriet das Sportliche fast in den Hintergrund: Mit dem 2:0-Sieg festigte Stuttgart seinen Platz im oberen Tabellendrittel, während Aufsteiger St. Pauli weiter im Abstiegskampf steckt.
Nach Mitternacht beruhigte sich die Lage vor der Arena langsam. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Ein Spiel, das in Erinnerung bleiben sollte, wird nun als Sinnbild für die Schattenseiten des Fußballs in die Schlagzeilen eingehen.