Der FC Bayern München schreibt in dieser frühen Bundesliga-Saison ein neues Drehbuch – und das mit einer Offensivwucht, die Fans, Rivalen und Experten gleichermaßen sprachlos macht. Mit 18 Toren in nur vier Ligaspielen haben die Münchner ein wahres Feuerwerk entfacht – und das, obwohl mit Jamal Musiala und Alphonso Davies zwei ihrer größten Stars noch fehlen.
Vincent Kompany, der belgische Trainer, im Sommer mit einigen Fragezeichen wegen seiner noch geringen Erfahrung auf höchstem Niveau verpflichtet, hat die Skeptiker schnell zum Schweigen gebracht. Seine Philosophie, von den Fans bereits als „Kompany-Ball“ gefeiert, setzt auf fließende Passwege, mehrere Offensivoptionen im Umschaltspiel und ein gnadenloses Pressing, das Gegnern schon im Keim die Luft zum Atmen nimmt.
Die Ergebnisse sprechen für sich. Bayern gewinnt nicht nur – sie zerlegen ihre Gegner mit einer Mischung aus Disziplin und spielerischem Chaos. Jeder Angriff scheint drei oder vier verschiedene Möglichkeiten bereitzuhalten, sodass Verteidiger ständig ins Leere laufen und Torhüter verzweifelt hinterhersehen. Und das alles, obwohl Musialas Kreativität zwischen den Linien und Davies’ atemberaubende Geschwindigkeit auf der linken Seite bisher gefehlt haben. Spieler wie Leroy Sané, Thomas Müller oder auch junge Akteure blühen im neuen System auf und profitieren spürbar von den vielen Wahlmöglichkeiten, die Kompanys Ansatz eröffnet.
Auch defensiv zeigt sich ein neues Gesicht. Bayern agiert keineswegs kopflos nach vorne. Die auf Entscheidungen basierende Struktur sorgt dafür, dass jeder Spieler klare Orientierungspunkte hat – pressen, den Raum schließen oder den Ballbesitz neu aufbauen. Es ist eine erfrischende Mischung aus taktischer Reife und kreativer Freiheit, die sowohl modern wirkt als auch perfekt zu Bayerns Tradition passt.
Die Fans können nur erahnen, was die Rückkehr von Musiala und Davies noch hinzufügen wird. Musialas Dribbelkunst und sein Gespür für den entscheidenden Pass könnten die ohnehin schon fließende Offensive unaufhaltsam machen, während Davies’ Überfall-Tempo eine weitere zerstörerische Dimension im Konterspiel eröffnen würde.
Die Bundesliga, in den letzten Jahren oft für ihre Einseitigkeit kritisiert, könnte erneut von Bayern dominiert werden – doch diesmal fühlt sich diese Dominanz eher nach Kunstwerk als nach bloßer Routine an. Selbst neutrale Zuschauer schalten ein, nur um das Spektakel zu erleben.
Wenn 18 Tore in vier Spielen erst der Anfang sind, sollte sich ganz Europa wappnen. Der FC Bayern unter Kompany jagt nicht nur Titeln hinterher – er versucht, das Bild des modernen Offensivfußballs neu zu gestalten.