Manchmal schenkt uns der Fußball Momente, die wirken, als wären sie von den Göttern selbst geschrieben – Momente, in denen Können, Leidenschaft und Schicksal aufeinandertreffen. Luis Díaz, der kolumbianische Flügelspieler, dessen Zauber bereits ganz Europa verzaubert hat, schreibt nun das neueste Kapitel in der Geschichte des FC Bayern München. In nur sechs Bundesligaspielen hat Díaz nicht nur seinen Sommertransfer gerechtfertigt, sondern sich auch in die Herzen von Millionen Fans gespielt.
Fünf Tore und vier Vorlagen in sechs Partien – die Zahlen sind außergewöhnlich, doch sie erzählen nur einen Teil der Geschichte. Von seinem Debüttreffer gegen RB Leipzig bis zu seinem traumhaften Sololauf gegen Dortmund: Díaz hat die spielerische Unberechenbarkeit zurückgebracht, nach der Bayern so lange gesucht hat. Er tanzt mit der Leichtigkeit eines Straßenfußballers aus Barranquilla an den Verteidigern vorbei, doch schließt mit der Kaltschnäuzigkeit eines erfahrenen Torjägers ab.
Julian Nagelsmann – der Berichten zufolge Díaz unbedingt verpflichten wollte – beschrieb ihn als „einen Spieler, der Ordnung in Chaos verwandelt, aber auf die schönste Art und Weise“. Und tatsächlich hat dieses Chaos Bayerns Angriff wiederbelebt. Wo früher Routine herrschte, liegt nun Spannung in der Luft. Jeder Ballkontakt von Díaz lässt das Stadion aufatmen – niemand weiß, ob er nach innen zieht, einen Hackentrick ansetzt oder einfach vorbeigleitet.
Coman, Sané und Gnabry – alle herausragende Spieler – haben durch Díaz neuen Antrieb gefunden. „Er pusht uns alle“, sagte Joshua Kimmich nach dem 4:1-Sieg gegen Leverkusen. „Er spielt, als wäre er verliebt in den Fußball – und dieses Gefühl überträgt sich auf das ganze Team.“
Die Allianz Arena hat jetzt eine neue Hymne – „Luis, Luis, Luis!“ hallt es von den Rängen. Kinder tragen sein Trikot mit der Nummer 23, Fans summen kolumbianische Melodien beim Aufwärmen, und selbst die Kommentatoren nennen ihn inzwischen: Der Magier aus Kolumbien.
Manchmal braucht es eine ganze Saison, um ein Star zu werden. Manchmal, wie Luis Díaz gezeigt hat, reichen sechs Spiele, um unsterblich zu werden. Und während Bayern weiter marschiert, steht eines fest: München steht unter einem Zauber – einem kolumbianischen Zauber – und niemand will, dass er endet.
Von Clara Hoffmann, Sportkorrespondentin – Münchner Tageschronik