Kaum ein Name ist so eng mit Bayer 04 Leverkusen verbunden wie der von Rüdig Vollborn. Über zwei Jahrzehnte lang stand der Kulttorhüter zwischen den Pfosten, erlebte Auf- und Abstieg, Pokaltriumphe und bittere Niederlagen – und wurde dabei zu einer lebenden Legende des Vereins. Doch während viele seiner Kollegen nach der aktiven Karriere den Weg ins Fernsehen oder auf die Trainerbank fanden, entschied sich Vollborn für einen völlig anderen Lebensweg: Er wurde Busfahrer.
Was zunächst wie ein kurioser Berufswechsel klingt, ist für den 62-Jährigen eine bewusste Entscheidung. „Ich wollte etwas Echtes machen, etwas, das Menschen direkt hilft“, sagt Vollborn in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger. „Ich habe mein halbes Leben auf dem Rasen verbracht. Jetzt fahre ich andere Menschen durch ihren Alltag – das ist auch eine Art Mannschaftsarbeit.“
Nach dem Ende seiner Karriere im Jahr 1999 blieb Vollborn zunächst dem Verein treu. Als Fanbeauftragter und Markenbotschafter war er jahrelang das Gesicht von Bayer Leverkusen. Doch mit der Zeit wuchs in ihm der Wunsch nach Veränderung. „Ich wollte raus aus dem Stadion, raus aus der Routine. Ich habe gemerkt, dass mir der direkte Kontakt zu normalen Leuten fehlt“, erzählt er.
Heute fährt er Linienbusse in Leverkusen und Umgebung – und wird auf jeder Tour erkannt. Fans winken ihm zu, Fahrgäste bitten um Selfies, und manche lassen sich sogar ein Autogramm auf ihr Ticket schreiben. „Am Anfang war es komisch“, lacht er. „Da sitzt du im Bus, jemand steigt ein und ruft: ‚Ey, du bist doch der Vollborn!‘ – aber die Leute meinen’s ehrlich, das freut mich.“
Trotz seines neuen Berufs bleibt Vollborn ein Symbol für Bodenständigkeit und Loyalität. Wenn Bayer Leverkusen spielt, steht er oft noch in der Kurve, diesmal als Zuschauer mit Fanschal und Stadionwurst. „Ich bin und bleibe Leverkusener durch und durch“, betont er.
In einer Zeit, in der Fußballstars Millionen verdienen und den Bezug zur Realität verlieren, ist die Geschichte von Rüdig Vollborn ein erfrischendes Gegenbeispiel. Der einstige Torwartheld, der heute Bus fährt, zeigt, dass Größe nichts mit Glamour zu tun hat – sondern mit Charakter.
Ein Idol, das nicht abhebt – sondern weiterfährt.