Während ganz Fußball-Deutschland noch über den knappen, aber verdienten 2:1-Sieg der Bayern über Borussia Dortmund diskutiert, herrscht in München längst wieder Arbeitsmodus. Kein überschäumender Jubel, keine großen Sprüche – stattdessen Selbstkritik und Hunger. Konrad Laimer brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir können viele Dinge besser machen.“
Was zunächst wie ein Understatement klingt, ist in Wahrheit Ausdruck einer Mentalität, die derzeit einzigartig im europäischen Fußball ist. Diese Bayern geben sich nicht mit Siegen zufrieden – sie wollen dominieren, kontrollieren, perfektionieren. Und das macht sie so gefährlich.
Thomas Tuchel, der Architekt dieser gnadenlos effizienten Maschine, scheint eine Balance gefunden zu haben, die in München lange gefehlt hat. Zwischen taktischer Disziplin und spielerischer Freiheit, zwischen Erfahrung und jugendlichem Elan. „Wir haben eine klare Struktur, aber jeder Spieler hat seine Verantwortung, sein Feuer“, sagte Tuchel auf der Pressekonferenz.
Das Feuer lodert in jedem Mannschaftsteil: Harry Kane trifft, als wäre er schon seit Jahren in der Bundesliga; Jamal Musiala tanzt durch Abwehrreihen, als würde er auf einer Playstation spielen; und Manuel Neuer ist nach seiner langen Verletzungspause wieder der Fels in der Brandung, der er immer war. Doch was dieses Team wirklich auszeichnet, ist die kollektive Gier. Kein Spieler scheint satt, kein Training wird locker genommen.
Laimer, der unermüdliche Motor im Mittelfeld, beschreibt es so: „Es fühlt sich immer gut an, ein Spiel von uns anzuschauen – aber es fühlt sich noch besser an, Teil davon zu sein.“
Im Hintergrund arbeitet der Rekordmeister längst an der nächsten Entwicklungsstufe. Die Videoanalysten zerlegen jeden Gegner in kleinste Details, während Tuchel und sein Trainerteam an neuen taktischen Varianten feilen. Der Tenor an der Säbener Straße: Erfolg ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
Die Konkurrenz zittert – und das zu Recht. Denn wenn ein Team nach einem Sieg gegen Dortmund nicht feiert, sondern Fehler sucht, dann ist das kein normales Team mehr. Das ist eine Maschine, die auf Perfektion programmiert ist. Und wenn sie erst einmal richtig ins Rollen kommt, bleibt nur eine Frage offen: Wer, wenn überhaupt, kann diese Bayern noch aufhalten?