München – Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg des FC Bayern München gegen Tabellenführer Bayer Leverkusen sorgte Joshua Kimmich mit einem offenen Statement für Aufsehen. Während viele Fans den Sieg feierten, sprach der Kapitän ungewohnt selbstkritische Worte – und traf damit offenbar einen Nerv im Verein.
„Vor zehn Jahren hatten wir ein bisschen mehr Egoismus in der Mannschaft“, erklärte Kimmich im Interview mit Sky Sport. „Damals wollte jeder unbedingt das entscheidende Tor schießen, jeder wollte zeigen, dass er das Spiel an sich reißen kann. Heute fehlt uns manchmal dieser Hunger, dieser Drang, über die Grenze zu gehen.“
Die Aussage schlug hohe Wellen. Während einige Experten den 30-Jährigen für seine Ehrlichkeit lobten, sahen andere darin einen versteckten Seitenhieb auf die aktuelle Teamdynamik. Laut SportBild soll Kimmich intern schon länger betonen, dass der Mannschaft „das Feuer von früher“ fehle.
Auch Trainer Thomas Tuchel wurde auf die Worte seines Kapitäns angesprochen. „Joshua ist jemand, der Emotionen lebt und Verantwortung übernimmt“, sagte Tuchel auf der Pressekonferenz. „Er spricht Dinge an, die uns alle beschäftigen. Wir brauchen diese Reibung, um besser zu werden.“
In den sozialen Netzwerken reagierten die Fans gespalten. Einige feierten Kimmich für seine Leidenschaft: „Endlich jemand, der den Finger in die Wunde legt!“, schrieb ein User auf X (vormals Twitter). Andere kritisierten den Zeitpunkt: „Nach einem 3:0 so etwas zu sagen, wirkt unglücklich – genieße doch einfach mal den Sieg“, hieß es in einem Kommentar.
Fakt ist: Kimmich hat mit seiner Aussage eine Diskussion angestoßen, die über das Einzelspiel hinausgeht. Die Frage, ob der moderne Fußball – mit all seiner Taktik, Rotation und Teamorientierung – den individuellen Ehrgeiz verdrängt hat, beschäftigt nicht nur die Bayern.
Sportdirektor Christoph Freund nahm die Worte gelassen: „Joshua ist ein Anführer. Wenn er solche Dinge sagt, meint er sie nicht negativ. Es geht darum, immer das Maximum zu wollen – und das zeichnet große Spieler aus.“
Ob Kimmichs Appell Wirkung zeigt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eines aber steht fest: Der Kapitän hat mit seiner Ehrlichkeit dem Rekordmeister einen neuen Impuls gegeben – und einmal mehr bewiesen, dass er das emotionale Herz dieser Mannschaft bleibt.
