– Was gestern noch wie eine Idee aus einem Zukunftsroman wirkte, rollt heute bereits unter den Rädern der ersten Testfahrzeuge: Die Landeshauptstadt hat am Mittwoch offiziell die „Solarstraße Sendling“ eingeweiht – ein 1,2 Kilometer langer Straßenabschnitt, dessen Oberfläche vollständig aus hochbelastbaren Photovoltaik-Modulen besteht. Es ist das erste Projekt dieser Art in Deutschland und ein Prestigeversuch, München energiepolitisch weiter nach vorne zu bringen.
Die Solarplatten, die aus einer Verbundschicht aus Sicherheitsglas, Harzen und mikroskopisch strukturierten Grip-Elementen bestehen, sollen nach Angaben der Stadtverwaltung jährlich genug Strom erzeugen, um rund 180 Haushalte zu versorgen. Gleichzeitig dient die Strecke dem regulären Stadtverkehr – Autos, Fahrräder und sogar kleinere Lieferfahrzeuge dürfen die Straße ab sofort nutzen. „Wir wollen zeigen, dass urbane Infrastruktur mehr sein kann als Asphalt und Beton“, sagte Bürgermeisterin Franziska Adler bei der Eröffnung. „Wenn wir Flächen doppelt nutzen, erschließen wir Energiepotenziale, die bisher brachliegen.“
Entwickelt wurde das Projekt von einem Konsortium aus der Technischen Universität München und drei Start-ups aus der Region. Die massive Belastbarkeit sei laut Projektleiter Dr. Elias Köstner der größte technische Durchbruch. „Wir mussten eine Oberfläche schaffen, die im Winter Streusalz erträgt, im Sommer die Hitze schluckt und bei Regen nicht zur Rutschbahn wird. Dass wir das geschafft haben, ist ein echter Meilenstein.“
Noch steht das Projekt allerdings unter Beobachtung. Verkehrsexperten warnen vor vorschneller Euphorie. Zwar seien Solarstraßen im kleinen Maßstab vielversprechend, doch die tatsächliche Energieausbeute könne stark schwanken. Probleme wie Verschmutzung, Schattenwurf durch parkende Fahrzeuge und starker Abrieb durch Verkehr werden die kommenden Monate zeigen. Auch die Kosten sind beeindruckend: rund 14 Millionen Euro, größtenteils durch EU-Fördermittel finanziert.
In Sendling ist die Stimmung trotzdem optimistisch. Anwohnerinnen und Anwohner strömten zur Eröffnung, viele mit neugierigen Blicken und Smartphones in der Hand. Der 16-jährige Leo B., der mit seinem E-Scooter als einer der ersten über die neue Oberfläche fuhr, bringt es lachend auf den Punkt: „Fühlt sich an wie normale Straße – nur cooler.“
Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, könnten weitere Straßenabschnitte im Stadtgebiet folgen. München sieht sich damit erneut als Schrittmacher für nachhaltige urbane Innovationen.
