München – Vor wenigen Wochen hätte wohl kaum jemand gedacht, dass Serge Gnabry noch einmal eine echte Rolle im Titelrennen des FC Bayern spielen würde. Zu inkonstant, zu verletzungsanfällig, zu oft im Schatten der explosiven Konkurrenz auf den Außenbahnen. Doch plötzlich ist der Mann, den viele schon still und heimlich von der Gehaltsliste streichen wollten, wieder da – mit einer Wucht, die selbst den skeptischsten Beobachtern ein anerkennendes Nicken entlockt.
Dabei war die Ausgangslage alles andere als vielversprechend. Die Hinrunde: ein Flickenteppich aus Formlöchern, Muskelverletzungen und kurzen Comebacks, die sofort wieder im Sand verliefen. Trainer und Fans wussten irgendwann nicht mehr so recht, ob sie bei seiner Nominierung eher hoffen oder bangen sollten. Zu tief saß die Erinnerung an verpasste Chancen, unglückliche Dribblings und jene Momente, in denen Gnabry wirkte, als würde er gegen einen unsichtbaren Widerstand anrennen.
Doch seit seinem überraschend starken Einsatz gegen Frankfurt scheint sich der Knoten gelöst zu haben. Mit einem Tor, einer Vorlage und jener entschlossenen Körpersprache, die man jahrelang vermisst hatte, meldete sich der 29-Jährige zurück – nicht laut, aber unüberhörbar. “Ich wusste, dass ich noch etwas zu geben habe”, sagte Gnabry nach dem Spiel, und der Satz klang nicht wie die übliche Profiphrase, sondern wie ein persönliches Statement.
Was dahintersteckt, darüber wird aktuell heftig spekuliert. Einige Insider sprechen von einer veränderten Trainingsroutine, andere von einem langen Gespräch mit dem neuen Offensivcoach, der einen besonderen Fokus auf Entscheidungsfindung im letzten Drittel legt. Wieder andere munkeln, Gnabry habe im Sommer bewusst das Rampenlicht gemieden, um sich mental neu zu sortieren.
Fest steht: Seine Mitspieler reagieren spürbar positiv. Leroy Sané lobte nach dem jüngsten 3:1-Sieg die “neue Energie” in der Offensive, während Thomas Tuchel betonte, Gnabry habe “das vielleicht stärkste Trainingsniveau seit zwei Jahren”. Eine Aussage, die Hoffnung macht – und Erwartungen weckt.
Ob der Aufschwung von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Aber eines ist klar: In einer Phase, in der Bayern jede kreative Idee, jede mutige Eins-gegen-Eins-Aktion braucht, wirkt es fast ironisch, dass ausgerechnet der schon fast abgeschriebene Gnabry zum heimlichen Hoffnungsträger avanciert.
Ein Comeback, das keiner kommen sah – oder vielleicht genau das, das Bayern gebraucht hat.
