Anfield – Es sollte der Beginn einer neuen Ära sein. Nach dem Abgang von Luis Díaz zu Bayern München im Sommer öffnete der FC Liverpool das Scheckbuch und investierte über 450 Millionen Euro, um die entstandene Lücke zu schließen. Doch drei Monate später ist die Bilanz ernüchternd – auf dem Platz wie in der Stimmung rund um den Klub.
Mit Stars wie Alexander Isak, Florian Wirtz, Hugo Ekitike, Milos Kerkez, Jeremie Frimpong und dem bereits etablierten Cody Gakpo wollte Liverpool das Offensivspiel neu erfinden. Doch die Statistiken sprechen eine andere Sprache: Isak kommt auf nur ein Tor und einen Assist, Wirtz auf einen Assist, Frimpong auf ein Tor, während Kerkez noch auf seine ersten Scorerpunkte wartet. Lediglich Ekitike mit fünf Toren und einem Assist und Gakpo mit drei Treffern und zwei Assists konnten hin und wieder Akzente setzen.
Im Vergleich dazu wirkt der abgewanderte Díaz wie ein Sinnbild verpasster Chancen: Sechs Tore und vier Vorlagen in nur elf Bundesligaspielen für den FC Bayern München – dazu eine Präsenz, die Spiele verändert. Der Kolumbianer hat in München nicht nur die linke Seite belebt, sondern auch das Selbstverständnis eines Champions eingeflößt, das Liverpool aktuell vermissen lässt.
Jürgen Klopp sprach zuletzt offen über den Umbruch: „Wir wussten, dass es Zeit für Veränderung war. Aber Veränderung braucht Geduld. Díaz war ein besonderer Spieler – nicht nur wegen seiner Qualität, sondern wegen seiner Persönlichkeit.“
Doch in der Premier League herrscht wenig Geduld. Mit einer durchwachsenen Form und mangelnder Kreativität im Angriff steht Liverpool nach zehn Spieltagen nur auf Platz fünf – weit hinter den Erwartungen. Fans fordern mehr Leidenschaft, mehr Mut, mehr von dem, was Díaz auszeichnete.
Fußballromantiker sehen in der Situation ein Lehrstück: Geld kann Tore kaufen, aber keinen Geist. Luis Díaz war mehr als ein Flügelspieler – er war ein Symbol für Entschlossenheit, Instinkt und Spielfreude. Während Bayern München von seiner Energie profitiert, sucht Liverpool nach Identität.
Vielleicht liegt die wahre Lektion nicht im Transfermarkt, sondern in der Erinnerung daran, dass manche Spieler nicht ersetzt, sondern nur geschätzt werden können.