Als Bayern München im vergangenen Sommer Vincent Kompany zum Cheftrainer ernannte, war Fußball-Deutschland fassungslos. Der Mann, der gerade mit dem FC Burnley aus der Premier League abgestiegen war, galt als Notlösung – die letzte Karte in einem verzweifelten Spiel. Fünf namhafte Trainer hatten bereits abgesagt, die Bayern standen blamiert da, die Fans waren wütend. In den sozialen Medien spottete man: „Von Guardiola zu Kompany – wie tief kann man fallen!“
Doch 13 Spiele später hat sich das Gelächter in Applaus verwandelt.
Unter Kompany hat der Rekordmeister seinen Kampfgeist – und überraschenderweise auch seine Identität – wiedergefunden. Der Belgier bringt Ruhe, taktische Klarheit und Disziplin in eine Mannschaft, die nach der letzten Saison zerbrochen schien. Seine Bayern pressen als Einheit, verteidigen als Familie und jubeln wie Gläubige.
Club-Legende Lothar Matthäus, einer der lautesten Kritiker zu Beginn, hat inzwischen seine Meinung geändert. „Wir sehen wieder eine Bayern-Mannschaft mit Herz,“ sagte Matthäus bei Sky90. „Kompany war vielleicht nicht die glamouröse Wahl, aber er hat bewiesen, dass er hierher gehört.“
Die Zahlen bestätigen es. Zehn Siege aus den letzten dreizehn Spielen, 34 Tore erzielt, nur sieben kassiert. Junge Spieler wie Aleksandar Pavlović und Mathys Tel blühen unter Kompany auf, während Routiniers wie Thomas Müller die „neue Energie“ in der Kabine loben.
Sogar das sonst so kritische Publikum in der Allianz Arena zeigt sich wieder begeistert. Beim 4:1-Sieg gegen Dortmund hallten Sprechchöre „Vincent! Vincent!“ durch das Stadion – ein Szenario, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien.
Nun stehen neue Prüfungen bevor. Mit PSG in der Champions League und Arsenal bei der Klub-WM-Qualifikation warten zwei Schwergewichte. Doch Kompany bleibt gelassen. „Es geht uns nicht darum, anderen etwas zu beweisen,“ sagte er nach dem Dortmund-Spiel. „Es geht darum, uns selbst zu beweisen.“
Für einen Verein, der an Dominanz gewöhnt ist, ist Demut ein ungewohntes Gefühl – aber vielleicht ein notwendiges. Der lange Weg zurück zur Größe hat begonnen, und ausgerechnet ein ehemaliger Burnley-Trainer führt die Bayern dorthin zurück.