Was im Sommer wie der größte bayerische Albtraum aussah, ist jetzt ein Märchen. Florian Wirtz sagte NEIN zu München – und löste damit eine Kettenreaktion aus, die den deutschen Fußball auf den Kopf stellte.
Als der FC Bayern im Juli mit einem Rekordangebot von 120 Millionen Euro bei Bayer Leverkusen anklopfte, schien der Wechsel nur Formsache. Die Münchner suchten nach einem neuen Gesicht für die Zukunft, nach dem „deutschen De Bruyne“. Doch Wirtz, damals 22, entschied sich überraschend gegen den Ruf der Isar – und für den Verbleib bei der Werkself.
„Ich will Geschichte schreiben, nicht nur Titel sammeln“, sagte Wirtz in einem emotionalen Interview. Diese Worte gingen viral – und markierten den Beginn einer neuen Ära. Denn statt den goldenen Käfig in München zu wählen, blieb er das Herzstück von Leverkusens Projekt.
Die Folgen: Bayer 04, ohnehin Deutscher Meister der Vorsaison, baute weiter auf Kontinuität. Trainer Xabi Alonso verlängerte seinen Vertrag, Stars wie Frimpong und Hincapié blieben – und Leverkusen startete eine Siegesserie, die Europa staunen ließ. Nach zehn Spieltagen ungeschlagen, mit Wirtz als Kapitän und Taktgeber, spricht man inzwischen vom „neuen deutschen Wunderteam“.
In München hingegen herrschte Krisenstimmung. Der geplatzte Wirtz-Transfer wurde zum Symbol für die schwindende Strahlkraft des Rekordmeisters. Thomas Tuchel rang nach Worten: „Manche Spieler wollen einfach Teil von etwas Neuem sein – das müssen wir akzeptieren.“ Der Verein setzte zwar auf einen Ersatz – den französischen Youngster Mathys Tel als Spielmacher – doch die gewünschte Magie blieb aus.
Während die Bayern über Umbrüche diskutierten, wuchs in Leverkusen etwas, das man lange für unmöglich hielt: eine echte Fußballromantik in der Bundesliga. Fans aus ganz Deutschland feiern Wirtz als den Spieler, der „Nein zum Geld und Ja zur Geschichte“ sagte.
Nun träumt Leverkusen nicht nur vom erneuten Titel, sondern vom ganz großen Coup: dem Champions-League-Finale. Wirtz bleibt dabei bescheiden. „Ich wollte einfach zeigen, dass Treue noch zählt“, sagte er nach dem 3:1-Sieg gegen Manchester City.