– Was war das bitte für ein Moment auf der gestrigen Jahreshauptversammlung des FC Bayern München? Normalerweise sind diese Veranstaltungen eine Bühne für Selbstlob, Zahlen, Visionen – und höchstens mal ein Seitenhieb Richtung DFB. Doch diesmal erlebten die rund 1.500 anwesenden Mitglieder eine Szene, die man so vom deutschen Rekordmeister kaum kennt: Präsident Herbert Hainer stand auf der Bühne – und bettelte.
Ja, richtig gelesen: Der Präsident des FC Bayern München, sonst das Sinnbild hanseatischer Ruhe in bayerischer Verpackung, richtete sich direkt an Innenverteidiger Dayot Upamecano – und bat ihn öffentlich, seinen Vertrag zu verlängern. Wortwörtlich sagte Hainer: „Lieber Dayot Upamecano, gerne zur Nachahmung empfohlen – bleib bitte beim FC Bayern!“
Ein Raunen ging durch den Saal. Einige klatschten, andere schauten irritiert. „Das ist nicht Bayern-like“, murmelte ein älterer Herr mit rotem Schal. „Wir sind doch nicht der FC Augsburg.“
Doch hinter dem vermeintlichen Flehen steckt wohl pure Verzweiflung. Nach dem Abgang von Alphonso Davies im Sommer, der bis heute wie eine offene Wunde schmerzt, drohen die nächsten Personalbeben. Berichten zufolge zögern gleich mehrere Stars – darunter auch Jamal Musiala und Joshua Kimmich – mit einer Verlängerung. Upamecano, derzeit in bestechender Form, steht ebenfalls auf dem Zettel mehrerer europäischer Topklubs.
Hainers Bitte wirkt wie ein ungewolltes Eingeständnis: Der FC Bayern, einst die Macht, bei der jeder Spieler bleiben wollte, muss inzwischen um seine Leistungsträger werben. Und das öffentlich.
Während Trainer Vincent Kompany auf sportliche Stabilität pocht, scheint die Vereinsführung auf Charmeoffensiven zu setzen. Doch die Fans sind gespalten. In den sozialen Medien trendet bereits der Hashtag #BitteBayern, teils spöttisch, teils mitleidig. Ein User schreibt: „Früher hieß es: Mia san mia. Heute: Mia san Bittsteller.“
Ob Hainers emotionale Rede Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Upamecano selbst reagierte bislang nicht offiziell – nur ein kurzes Lächeln, als er nach der Versammlung das Gebäude verließ. Vielleicht war es Zustimmung. Vielleicht auch nur Verlegenheit.
Fest steht: Der FC Bayern erlebt gerade ungewohnte Zeiten. Stolz weicht Unsicherheit. Und ausgerechnet ein „Bitte“ könnte zum Symbol einer neuen, demütigeren Ära werden.
