Berlin – Es ist kurz nach 23 Uhr im Berliner Olympiastadion. Das Team packt seine Sachen, enttäuschte Gesichter, müde Beine. 2:2 – ein Ergebnis, das sich für den FC Bayern München wie eine Niederlage anfühlt. Die beeindruckende Serie von 16 ungeschlagenen Spielen ist gerissen, der Rekord von Pep Guardiola verpasst. Doch inmitten von Frust und Enttäuschung steht ein Mann ruhig, gefasst und voller Überzeugung: Vincent Kompany.
Der belgische Coach, erst seit wenigen Monaten im Amt, zeigt in dieser turbulenten Pressekonferenz, warum er als einer der spannendsten Trainer Europas gilt. Als die Journalisten auf die Leistung von Manuel Neuer anspielen – besonders nach dessen unglücklichem Fehler vor dem späten Ausgleich – reagiert Kompany sofort. „Worauf wartet ihr?“, ruft er mit fester Stimme in den Raum. „Wollt ihr wirklich den Kapitän verantwortlich machen, der uns schon so oft gerettet hat? Manuel war heute da, er war mutig, er war laut – und das bleibt er auch!“
Statt Schuldzuweisungen verteilt Kompany Verantwortung. „Ich bin der Trainer. Wenn etwas nicht funktioniert, fängt die Kritik bei mir an. Wir waren zu spät im Umschalten, zu zögerlich im Abschluss – das ist meine Aufgabe, das zu verbessern.“ Worte, die sitzen. In der ersten Reihe nicken sogar die Reporter.
Taktisch analysiert Kompany die Partie mit Präzision: „Wir haben in der ersten Halbzeit dominiert, das Spiel kontrolliert. Doch nach der Pause haben wir aufgehört, das Tempo zu bestimmen. Berlin hat Charakter gezeigt, und dafür muss man ihnen Respekt zollen.“
Es sind nicht nur die Sätze, sondern die Art, wie Kompany sie sagt – ruhig, klar, ehrlich. Kein Schauspiel, keine Phrasen. Man spürt, dass dieser Trainer etwas aufbaut, das über ein Ergebnis hinausgeht.
„Ich will eine Mannschaft sehen, die mutig ist – auch wenn sie scheitert“, schließt Kompany. „Heute haben wir nicht verloren. Wir haben gelernt.“
Während die letzten Mikrofone abgeschaltet werden, wirkt der 39-Jährige fast erleichtert. In einer Nacht, in der viele den Kopf verloren hätten, beweist Kompany, dass er genau der Richtige für diesen Klub ist – ein Trainer, der Verantwortung übernimmt, Charakter formt und den FC Bayern wieder zu einer Einheit schmiedet.
