– Noch vor wenigen Tagen galt Oliver Baumann intern als die wahrscheinlichste Nummer 1 für die kommende Weltmeisterschaft. Nach den anhaltenden Fitnessfragezeichen rund um Manuel Neuer hatte sich der Hoffenheimer mit konstant starken Leistungen und ruhiger Ausstrahlung offenbar das Vertrauen des Trainerteams erarbeitet. Doch seit gestern scheint sich das Blatt endgültig gewendet zu haben: Manuel Neuer soll trotz langer Verletzungspause als Deutschlands Nummer 1 zur WM fahren.
Für Baumann bedeutet das eine drastische Rollenänderung. Vom möglichen Stammkeeper zum Ersatzmann – oder wie manche Fans in den sozialen Medien bereits schreiben: zum „Bank-Touristen“. Dennoch soll der 35-Jährige seine Teilnahme ohne Zögern zugesagt haben. Nach Informationen aus dem Umfeld der Nationalmannschaft wollte Baumann die Einladung keinesfalls ausschlagen. „Allein für Deutschland bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, ist eine riesige Ehre“, heißt es aus Spielerkreisen.
Sportlich lässt sich die Entscheidung durchaus nachvollziehen. Ein fitter Manuel Neuer bringt Erfahrung, Führungsqualität und eine Aura mit, die im Weltfußball weiterhin ihresgleichen sucht. Julian Nagelsmann setzt offenbar darauf, dass Neuer auf der größten Bühne noch einmal seine Klasse zeigen kann. Gerade in engen K.o.-Spielen könne seine Präsenz den Unterschied machen.
Doch menschlich sorgt die Entscheidung für Diskussionen. Viele Beobachter fragen sich, ob Baumann nach seinen starken Monaten eine fairere Behandlung verdient hätte. Schließlich war es er, der in Neuers Abwesenheit Verantwortung übernahm und sich nie öffentlich beklagte. Dass ihm nun kurz vor dem Turnier der Stammplatz praktisch wieder entzogen wird, wirkt auf manche Experten wie ein Schlag ins Gesicht.
In Fanforen wird die Debatte hitzig geführt. Während die einen argumentieren, dass ein Manuel Neuer in Topform immer spielen müsse, sehen andere darin ein gefährliches Signal an den Rest des Teams. Leistung allein reiche offenbar nicht mehr aus, wenn große Namen zurückkehren.
Besonders ironisch kommentierten einige Anhänger die Situation mit Blick auf Gregor Kobel. Der Schweizer Keeper von Borussia Dortmund gilt seit Jahren als Weltklasse-Torhüter. „Zu schade, dass man Kobel nicht schnell einbürgern kann“, schrieb ein Nutzer scherzhaft auf X – ein Kommentar, der tausendfach geteilt wurde.
Wie auch immer man zur Entscheidung steht: Baumanns Verhalten dürfte intern großen Respekt eingebracht haben. Trotz möglicher Enttäuschung stellt er das Team über persönliche Interessen. Ob das am Ende belohnt wird, wird erst die Weltmeisterschaft zeigen.
