Alexander Nübel wird mit zur WM fahren und genießt weiterhin das Vertrauen des Trainerstabs. Der Torhüter bringt wichtige Erfahrung, Ruhe und Stabilität in den Kader und gilt als verlässliche Option hinter den gesetzten Kräften. Gleichzeitig darf auch Jonas Urbig mitreisen – nicht als Nummer 2 oder 3, sondern als Trainingskeeper im erweiterten Teamgefüge. Für den 21-Jährigen ist es der nächste logische Schritt auf einem Weg, den Julian Nagelsmann bewusst so angelegt hat.
Nübel: Der ruhige Anker
Für Alexander Nübel ist die Nominierung eine Bestätigung. Nach Jahren im Schatten bei Schalke, Monaco und Stuttgart hat er sich in Stuttgart zur unumstrittenen Nummer 1 entwickelt. Seine Leistungen in der Bundesliga waren konstant, seine Ausstrahlung ruhig. Genau das braucht eine Mannschaft bei einer WM.
Nübel bringt über 100 Profispiele mit, internationale Erfahrung aus der Europa League und die Gelassenheit eines Keepers, der schon viel gesehen hat. Im Training ist er derjenige, der die Abwehr dirigiert, der bei Standards laut wird und der den jungen Spielern die Nervosität nimmt. Nagelsmann schätzt genau das: „Alex ist einer, der den Laden zusammenhält, auch wenn er nicht spielt.“
Als Nummer 2 hinter Marc-André ter Stegen weiß Nübel, dass seine Chancen auf Einsatzminuten gering sind. Aber er weiß auch, wie wichtig seine Rolle abseits des Platzes ist. In der Kabine, auf dem Trainingsplatz, in den Gesprächen nach Niederlagen. Für eine Mannschaft, die bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wieder ganz oben angreifen will, ist so ein Profil unverzichtbar.
Urbig: Lernen auf höchstem Niveau
Während Nübel die Gegenwart absichert, blickt der Staff mit Jonas Urbig in die Zukunft. Der Keeper von Bayern München hat sich in der letzten Saison in der 3. Liga und im DFB-Pokal empfohlen. Schnell auf der Linie, stark im Spielaufbau, mutig im Eins-gegen-Eins.
Nagelsmann hat ihn bereits im März zum ersten Mal in den erweiterten Kreis geholt. Jetzt darf er mit zur WM – als Trainingskeeper. Das bedeutet: Kein offizieller Kaderplatz, aber volle Integration in den Trainingsbetrieb, bei Teammeetings, bei Videoanalysen, bei allem, was eine WM ausmacht.
Für Urbig ist das Gold wert. Statt mit der U21 bei einer EM zu spielen, steht er jeden Tag neben ter Stegen, Nübel und Oliver Baumann auf dem Platz. Er sieht, wie Weltklasse-Keeper arbeiten, wie sie sich vorbereiten, wie sie mit Druck umgehen. Diese Eindrücke kann ihm keine U21-Europameisterschaft geben.
„Jonas soll spüren, wie es auf diesem Level zugeht“, sagte ein Staff-Mitglied intern. „Er ist für 2028 und 2030 eingeplant. Jetzt bekommt er den Vorsprung.“
Ein Modell mit System
Die Kombination Nübel und Urbig zeigt, wie Nagelsmann Kaderplanung denkt. Erfahrung absichern, Zukunft fördern, ohne das Hier und Jetzt zu gefährden. Ter Stegen bleibt die klare Nummer 1. Dahinter gibt Nübel Sicherheit, falls etwas passiert. Und Urbig lernt, ohne verbrannt zu werden.
Es ist ein Modell, das bei Bayern seit Jahren funktioniert: Manuel Neuer als Leitfigur, Sven Ulreich als verlässlicher Backup, darunter Talente wie Urbig, die langsam herangeführt werden. Jetzt überträgt Nagelsmann das auf die Nationalmannschaft.
Für Urbig ist die Botschaft klar: Du gehörst dazu, aber der Druck ist noch nicht auf dir. Für Nübel gilt: Deine Rolle ist kleiner, aber nicht weniger wichtig. Und für Deutschland bedeutet es, dass die Torwartposition auch nach ter Stegen in guten Händen sein wird.
Die WM 2026 wird für Nübel wahrscheinlich eine WM auf der Bank. Für Urbig eine WM auf der Lernbank. Beide Rollen sind entscheidend, wenn Deutschland den Titel will.
