„HALTET EUCH MAL ZURÜCK!“ – Eine deutliche Ansage an die Kimmich-Kritiker
Kaum gönnt sich Joshua Kimmich in einem ohnehin brutalen Terminkalender eine kurze Verschnaufpause, beginnen die üblichen Diskussionen. Plötzlich melden sich wieder Stimmen zu Wort, die jede Kleinigkeit analysieren, jede Bewegung hinterfragen und aus einem normalen Moment sofort eine Grundsatzdebatte machen. Für manche scheint festzustehen: Wenn Kimmich spielt, ist er zu präsent. Wenn er nicht spielt, fehlt ihm angeblich der Wille. Wenn er eine Pause bekommt, wird daraus plötzlich ein Problem.
Doch vielleicht sollte man einfach einmal die Realität betrachten.
Joshua Kimmich ist seit Jahren einer der Spieler, die nahezu jede Belastung mitnehmen. Verein, Nationalmannschaft, Champions League, Pokal, Bundesliga – der Kalender kennt kaum Pausen. Dazu kommen Reisen, Training, Medienpflichten und der enorme Druck, der auf einem Spieler seiner Bedeutung lastet. Trotzdem wird von ihm häufig erwartet, in jedem Spiel 100 Prozent abzurufen und gleichzeitig niemals müde, angeschlagen oder unkonzentriert zu wirken.
Das ist schlicht unrealistisch.
Wer Leistungssport wirklich verfolgt, weiß, dass Regeneration ein entscheidender Bestandteil professioneller Vorbereitung ist. Eine Pause bedeutet nicht automatisch Schwäche. Sie bedeutet nicht fehlenden Ehrgeiz. Und sie bedeutet schon gar nicht, dass ein Spieler seine Verantwortung nicht ernst nimmt.
Gerade bei einem Spieler wie Kimmich sollte man deshalb genauer hinschauen. Seine Bedeutung lässt sich nicht an einem einzelnen Spiel oder an wenigen Minuten auf dem Platz messen. Er übernimmt Verantwortung, fordert den Ball, organisiert seine Mitspieler und versucht, das Spiel zu kontrollieren. Natürlich macht er Fehler. Natürlich darf man ihn kritisieren. Kein Fußballer steht über sachlicher Kritik.
Aber zwischen sachlicher Kritik und permanenter persönlicher Abrechnung liegt ein gewaltiger Unterschied.
Es ist erstaunlich, wie schnell manche Diskussionen eskalieren. Ein verlorener Zweikampf wird zum Beweis angeblicher Überforderung erklärt. Ein Fehlpass wird zum Beweis fehlender Qualität. Eine Pause wird plötzlich als Zeichen eines Konflikts interpretiert. Und wenn Kimmich anschließend stark zurückkommt, wird das kaum noch erwähnt.
Genau hier sollte man sich fragen, ob die Bewertung wirklich fair ist.
Fußball lebt von Emotionen, aber Emotionen sollten nicht jede vernünftige Analyse verdrängen. Kimmich verdient Kritik, wenn seine Leistung schlecht ist. Gleichzeitig verdient er aber auch Anerkennung, wenn er gute Leistungen zeigt. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Vielleicht wäre deshalb etwas mehr Zurückhaltung angebracht. Nicht jede Pause ist eine Krise. Nicht jede Entscheidung des Trainers ist ein Skandal. Und nicht jede Schlagzeile über Kimmich muss zum nächsten großen Drama aufgeblasen werden.
Am Ende zählt das, was auf dem Platz passiert. Und dort sollte Joshua Kimmich die Möglichkeit bekommen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Fußball zu spielen, Verantwortung zu übernehmen und seiner Mannschaft zu helfen.
Diejenigen, die ihn kritisieren möchten, dürfen das selbstverständlich tun. Aber dann bitte mit Argumenten, Fakten und Respekt – und nicht mit persönlichen Angriffen oder vorschnellen Urteilen. Denn auch ein Weltklasse-Spieler bleibt ein Mensch, der irgendwann einfach einmal Luft holen muss.