In einem explosiven Sky-Interview am Donnerstagabend hat Matthias Sammer – Fußballlegende, ehemaliger Sportdirektor des FC Bayern und einer der schärfsten Analytiker des deutschen Fußballs – Bundestrainer Julian Nagelsmann heftig kritisiert. Thema: der anhaltende Ausschluss von Torwart-Ikone Manuel Neuer aus der deutschen Nationalmannschaft. Sammers leidenschaftliche Worte haben die Fußballwelt aufgerüttelt und die Debatte um Führung, Loyalität und Logik im DFB neu entfacht.
„Es geht nicht um Sentimentalität“, begann Sammer, sichtlich aufgebracht. „Es geht um Fairness und fußballerische Intelligenz. Wenn jemand wie Manuel Neuer Woche für Woche beim FC Bayern zeigt, dass er immer noch Weltklasse ist, dann gibt es keine Rechtfertigung, ihn zu ignorieren. Diese Sturheit von Julian – sie ist ego-getrieben, nicht teamorientiert.“
Die Aussagen folgen auf Nagelsmanns jüngste Bestätigung, dass Neuer für die kommenden Nations-League-Spiele nicht nominiert werde – mit Verweis auf den „Fokus auf Kaderkontinuität“. Für Sammer ein gefährlicher Fehler. „Kontinuität ist wichtig, ja“, erklärte er, „aber Leistung ist genauso entscheidend. Neuer ist nicht irgendein Spieler – er ist ein Leader, ein Stabilisator und ein Vorbild für die Jüngeren. Wenn man eine solche Persönlichkeit aus der Kabine heraushält, riskiert man Unsicherheit statt Zusammenhalt.“
Sammer, bekannt für seine taktische Schärfe und schonungslose Ehrlichkeit, legte weiter nach: „Julian will zeigen, dass er seinen eigenen Weg geht – das ist legitim. Aber manchmal wird im Fußball das Bedürfnis, etwas zu beweisen, für Trainer wichtiger als der Erfolg. Genau da muss man die Grenze ziehen. Die Nationalmannschaft darf kein Experiment in Ego-Management werden.“
Laut DFB-Insidern haben Sammers Worte im Verband für Unruhe gesorgt. Sie spiegeln ein wachsendes Unbehagen unter erfahrenen Spielern wider, die Nagelsmanns Umgang mit verdienten Kräften zunehmend kritisch sehen. Auch mehrere Ex-Nationalspieler sollen sich privat hinter Neuer gestellt haben – sie nennen dessen Nichtberücksichtigung „eine unnötige Provokation vor einem entscheidenden Jahr“.
Der Zeitpunkt von Sammers Ausbruch könnte kaum dramatischer sein. Während Deutschland sich auf wichtige Spiele vorbereitet und das öffentliche Vertrauen nach der jüngsten EM-Kampagne noch wackelt, rückt die Diskussion über Führung und Erfahrung wieder in den Mittelpunkt.
Sammer schloss mit einer eindringlichen Warnung: „Wenn wir Erfahrung für ein Image-Problem opfern, zahlen wir den Preis auf dem Platz. Neuer braucht die Nationalmannschaft nicht – die Nationalmannschaft braucht Neuer.“
Seine Worte hallen nach – und bescheren Julian Nagelsmann wohl die unangenehmste Woche seiner bisherigen Trainerlaufbahn.