In einer überraschenden Wendung hat der Stadtrat von München gestern Abend einstimmig ein ambitioniertes Projekt zur Umgestaltung des öffentlichen Nahverkehrs beschlossen. Unter dem Namen „Mobilität 2035“ soll die gesamte Infrastruktur der Stadt in den kommenden zehn Jahren modernisiert und weitgehend klimaneutral gestaltet werden. Kern des Plans ist die vollständige Elektrifizierung aller Buslinien sowie der Ausbau eines unterirdischen Schnellbahnnetzes, das die bestehenden U-Bahn- und S-Bahn-Systeme entlasten soll.
Nach Angaben der Bürgermeisterin Anna Keller wird das Projekt ein Gesamtvolumen von rund 18 Milliarden Euro umfassen und teilweise durch Bundesmittel sowie private Investoren finanziert. „Wir stehen vor der größten verkehrspolitischen Transformation in der Geschichte unserer Stadt“, erklärte Keller auf der Pressekonferenz. Ziel sei es, den Individualverkehr bis 2035 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs deutlich zu steigern.
Besonders innovativ ist der geplante Einsatz autonomer Elektro-Shuttles, die in den Außenbezirken eingesetzt werden sollen. Diese Fahrzeuge sollen flexibel auf Nachfrage reagieren und so auch weniger dicht besiedelte Gebiete effizient anbinden. Darüber hinaus ist ein dichtes Netz von Fahrrad-Schnellwegen vorgesehen, das Pendlern eine sichere und schnelle Alternative zum Auto bieten soll.
Kritik kommt jedoch von Teilen der Opposition sowie von Wirtschaftsverbänden. Sie warnen vor steigenden Kosten und möglichen Verzögerungen bei der Umsetzung. „Ein Projekt dieser Größenordnung birgt erhebliche Risiken“, sagte der Sprecher der Industrie- und Handelskammer. Auch Anwohner äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Baustellenbelastungen und steigender Mieten in gut angebundenen Vierteln.
Trotz der Kritik zeigt sich die Stadtregierung optimistisch. Erste Bauarbeiten sollen bereits Anfang kommenden Jahres beginnen. Experten sehen in „Mobilität 2035“ ein mögliches Modell für andere europäische Metropolen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Sollte das Projekt erfolgreich umgesetzt werden, könnte München eine Vorreiterrolle in der nachhaltigen Stadtentwicklung einnehmen und neue Maßstäbe für urbane Mobilität setzen.
