Schiedsrichterchef Roberto Rosetti hat sich am Samstagabend überraschend zu zwei hochdiskutierten Handspiel-Situationen im Champions-League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Bayern München geäußert. Die Szenen aus der ersten Halbzeit hatten für heftige Proteste aufseiten der Bayern gesorgt und die sportliche Leitung des deutschen Rekordmeisters sichtbar verärgert.
Im Mittelpunkt stehen zwei Entscheidungen: Zum einen ein vermeintliches Handspiel von Nuno Mendes im Mittelfeld, das nicht zu einer zweiten Gelben Karte führte. Zum anderen ein späterer Vorfall im Strafraum, bei dem João Neves den Ball klar mit dem Arm berührt haben soll – ohne dass Schiedsrichter und VAR einen Strafstoß verhängten.
Rosetti stellte in einer kurzfristig einberufenen Medienrunde klar, dass beide Entscheidungen regelkonform getroffen worden seien, auch wenn sie auf den ersten Blick „unterschiedlich interpretiert werden könnten“. Zum Fall Mendes erklärte er: „Die Szene erfüllt nicht die Kriterien eines absichtlichen Handspiels im Sinne der aktuellen UEFA-Richtlinien. Der Arm war in einer natürlichen Bewegung, zudem war die Distanz zum Ball sehr kurz. Eine zweite Verwarnung wäre daher unverhältnismäßig gewesen.“
Besonders brisant war jedoch die Bewertung der Strafraumszene um João Neves. Hier räumte Rosetti ein, dass die Situation „komplex und dynamisch“ gewesen sei. Laut UEFA-Analyse habe der Ball zwar den Arm des PSG-Spielers berührt, jedoch sei dieser zuvor durch einen minimalen Kontakt eines Bayern-Spielers in seiner Laufbewegung leicht verschoben worden. Dadurch habe sich der Arm nicht aktiv zum Ball bewegt.
„In solchen Fällen greifen wir auf die sogenannte Impact-Regel zurück“, so Rosetti weiter. „Wenn die Armposition durch Körperdynamik erklärbar ist und keine klare Vergrößerung der Körperfläche vorliegt, ist ein Elfmeter nicht zwingend zu geben.“
Die Erklärung sorgt dennoch für Unverständnis bei den Bayern-Verantwortlichen. Intern soll man laut deutschen Medienberichten die fehlende Einheitlichkeit in der Auslegung der Handspielregel kritisieren und eine erneute Klarstellung von der UEFA fordern.
Auch in sozialen Medien schlugen die Szenen hohe Wellen. Während PSG-Fans die Entscheidungen als korrekt verteidigen, sprechen viele Bayern-Anhänger von einer „inkonsistenten Regelauslegung auf höchstem Niveau“.
Rosetti schloss seine Stellungnahme mit dem Hinweis, dass die UEFA weiterhin an einer „noch klareren und einheitlicheren Interpretation der Handspielregel“ arbeite, um genau solche Kontroversen künftig zu reduzieren.
