Manchmal braucht es eine Auszeichnung aus dem Mutterland, damit ein Talent endlich auch in der eigenen Heimat angekommen ist. Michael Olise – „Best French Player Abroad“, gewählt von der UNFP, vor Kylian Mbappé, vor Hugo Ekitike, vor allen anderen. Wer das nüchtern liest, denkt: nette Trophäe für die Vitrine. Wer Bayern verfolgt, denkt: Es war höchste Zeit.
Und ich, als jemand, der diesem Jungen seit seiner Verpflichtung im Sommer 2024 hinterherschreibt, denke vor allem eines: Endlich. Endlich erkennt der französische Fußball, was wir an der Säbener Straße seit Monaten in jedem Training, in jedem Spiel, in jeder kleinen Szene zwischen den großen Momenten beobachten dürfen. Michael Olise ist nicht einfach ein weiteres Talent. Er ist ein Unterschiedsspieler. Einer dieser seltenen Fußballer, die ein Stadion leiser machen, bevor es explodiert.
Die Nachricht aus Paris verbreitete sich gestern Abend innerhalb weniger Minuten in München. Während an der Säbener Straße die letzten Mitarbeiter das Trainingsgelände verlassen wollten, wurde plötzlich wieder diskutiert, gelacht, telefoniert. Christoph Freund soll laut vereinsnahen Quellen nur trocken gesagt haben: „Jetzt sehen es eben alle.“
Und tatsächlich: Olises Saison liest sich inzwischen wie das Drehbuch eines kommenden Weltstars. 17 Tore, 21 Vorlagen, unzählige Momente, in denen er Spiele im Alleingang kippte. Besonders sein Auftritt im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester City hat selbst Kritiker verstummen lassen. Zwei Assists, ein Traumtor, dazu eine Spielfreude, die Pep Guardiola später als „fast brasilianisch“ bezeichnete.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der sich Olise in München bewegt. Kein Star-Gehabe, keine großen Interviews, keine künstlichen Gesten für soziale Medien. Nach Spielen sieht man ihn häufig als Letzten den Rasen verlassen – oft mit Nachwuchsspielern, denen er noch Pässe zuspielt oder Freistöße erklärt.
Intern gilt er längst als Gesicht der kommenden Bayern-Generation. Jamal Musiala, Aleksandar Pavlović und Olise – im Verein spricht man bereits halb scherzhaft von der „neuen goldenen Achse“. Und auch Vincent Kompany soll intern mehrfach betont haben, dass Olise „fußballerisch kaum Grenzen“ habe.
Die UNFP-Auszeichnung könnte nun mehr sein als nur persönlicher Ruhm. In Frankreich wird bereits intensiv diskutiert, ob Didier Deschamps sein Team stärker um Olise herum aufbauen müsse. Denn während andere Namen größer klingen, liefert kaum jemand derzeit Woche für Woche auf diesem Niveau.
In München überrascht das niemanden mehr. Dort hat man längst verstanden, dass Michael Olise nicht gekommen ist, um Teil der Zukunft zu sein. Sondern um sie anzuführen.
