Die Nichtberücksichtigung von Leroy Sané für den endgültigen Kader der deutschen Nationalmannschaft hat in Fußball-Deutschland eine hitzige Diskussion ausgelöst. Während Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Entscheidung mit dem Leistungsprinzip begründete, fragen sich viele Experten und Fans, ob ein Spieler mit Sanés Erfahrung und individueller Klasse wirklich fehlen darf.
Bereits im vergangenen Herbst hatte Nagelsmann angekündigt, dass künftig ausschließlich aktuelle Form und Einsatzbereitschaft über eine Nominierung entscheiden würden. „Wer in einer der stärksten Ligen Europas konstant Leistung bringt, wird berücksichtigt“, sagte der Bundestrainer damals. Genau dieser Maßstab wird nun von Kritikern herangezogen, um die Ausbootung des Bayern-Flügelspielers infrage zu stellen.
Sané hatte in den letzten Wochen beim FC Bayern München zwar mit kleineren Verletzungen zu kämpfen, zeigte jedoch in mehreren entscheidenden Spielen starke Leistungen. Besonders sein Auftritt im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City wurde von Experten gelobt. Mit seiner Geschwindigkeit, seinem Dribbling und seiner internationalen Erfahrung hätte er dem deutschen Offensivspiel zusätzliche Tiefe verleihen können.
Ehemalige Nationalspieler meldeten sich unmittelbar nach der Kaderbekanntgabe zu Wort. Ex-Weltmeister Thomas Häßler erklärte in einer Fernsehsendung: „Ein Spieler wie Leroy Sané kann ein Spiel mit einer einzigen Aktion entscheiden. Solche Spieler lässt man normalerweise nicht zuhause.“ Auch in sozialen Netzwerken trendete der Hashtag #SanéMussMit innerhalb weniger Stunden.
Nagelsmann blieb jedoch gelassen. Auf der Pressekonferenz in Frankfurt betonte er, dass die Entscheidung keineswegs persönlich gewesen sei. „Wir haben aktuell Spieler, die besser in unsere Struktur passen. Leroy besitzt außergewöhnliche Qualitäten, aber wir müssen als Mannschaft funktionieren“, erklärte der Coach. Intern soll vor allem Sanés mangelnde Konstanz gegen ihn gesprochen haben.
Interessant ist zudem, dass mehrere jüngere Spieler den Vorzug erhielten. Besonders die Nominierung des 21-jährigen Stuttgarter Flügelspielers Deniz Aydin überraschte Beobachter. Nagelsmann setzt offenbar bewusst auf Dynamik, Pressingstärke und taktische Disziplin – Eigenschaften, die in seinem neuen System oberste Priorität genießen.
Dennoch bleibt die Diskussion offen. Viele Fans erinnern daran, dass Turniere oft von Einzelspielern entschieden werden, die aus dem Nichts den Unterschied machen können. Genau diese Rolle hätte Sané möglicherweise einnehmen können.
Ob Nagelsmann mit seiner mutigen Entscheidung richtigliegt, wird sich erst im Verlauf des Turniers zeigen. Sollte der deutschen Offensive jedoch die Kreativität fehlen, dürfte die Frage nach Leroy Sané Deutschland noch lange beschäftigen.
