Die folgenden Ereignisse sind vollständig frei erfunden und dienen ausschließlich als dramatische Erzählung.
Es war kurz nach Mitternacht, als über der kleinen Küstenstadt ein ungewöhnlich heftiger Sturm aufzog. Der Himmel war schwarz wie Tinte, und Blitze zerrissen die Wolken, ohne dass der Donner unmittelbar folgte. Die Straßen lagen verlassen da. Nur das Rauschen des Meeres und das Pfeifen des Windes waren zu hören.
Jonas stand am Fenster seines alten Hauses und beobachtete die dunklen Wellen. Seit Tagen hatte er das Gefühl, dass etwas geschehen würde. Er konnte selbst nicht erklären, warum. Es war keine Angst, eher eine unbestimmte Vorahnung.
Plötzlich erloschen alle Lichter.
„Nicht schon wieder“, murmelte er.
Er griff nach einer Taschenlampe und ging zur Tür. Im selben Moment hörte er draußen ein Geräusch. Es klang wie ein metallisches Krachen, gefolgt von einem dumpfen Schlag.
Jonas öffnete die Tür einen Spalt.
Der Sturm peitschte ihm Regen ins Gesicht. Am Ende der Straße flackerte ein schwaches blaues Licht. Es kam aus Richtung des alten Hafens, der seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
Obwohl jede vernünftige Stimme in seinem Kopf ihm davon abriet, zog Jonas seine Jacke an und ging los.
Je näher er dem Hafen kam, desto stärker wurde das seltsame Licht. Zwischen verlassenen Lagerhäusern entdeckte er schließlich ein Fahrzeug, das quer auf dem alten Pier stand. Es war kein gewöhnliches Auto. Seine Oberfläche glänzte im Regen, und an der Seite befand sich ein unbekanntes Symbol.
Die Fahrertür stand offen.
Jonas blieb stehen.
„Hallo?“, rief er.
Keine Antwort.
Er trat näher. Auf dem Beifahrersitz lag ein kleiner schwarzer Koffer. Daneben befand sich ein Mobiltelefon, dessen Bildschirm trotz des Stromausfalls noch leuchtete.
Eine Nachricht erschien.
Lauf nicht weg. Du hast nur noch zehn Minuten.
Jonas spürte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich.
Er sah sich um. Niemand war zu erkennen. Doch plötzlich begann das Telefon erneut zu vibrieren.
Eine zweite Nachricht erschien.
Sie wissen, dass du es gefunden hast.
In diesem Augenblick hörte Jonas Schritte hinter sich.
Er drehte sich um.
Am anderen Ende des Piers stand eine Gestalt im langen dunklen Mantel. Das Gesicht war wegen des Regens nicht zu erkennen.
„Wer sind Sie?“, rief Jonas.
Die Gestalt antwortete nicht. Stattdessen hob sie langsam eine Hand und deutete auf den schwarzen Koffer.
Jonas blickte zurück.
Der Koffer war verschwunden.
Dann ging das Licht aus.
Für einige Sekunden war alles vollkommen still.
Als der nächste Blitz den Hafen erhellte, war die Gestalt verschwunden. Doch auf dem nassen Boden lag etwas, das Jonas sofort erkannte: ein altes Foto.
Er hob es auf.
Darauf waren drei Personen zu sehen. Zwei kannte er nicht.
Die dritte Person jedoch war sein Vater.
Jonas starrte auf das Bild. Sein Vater war vor fünfzehn Jahren gestorben.
Auf der Rückseite stand nur ein Satz:
Wenn du die Wahrheit erfahren willst, komm morgen um Mitternacht zurück. Allein.
Zum ersten Mal in dieser Nacht hörte Jonas nicht den Sturm.
Er hörte sein eigenes Herz schlagen.
Und irgendwo draußen auf dem Meer begann ein Licht zu leuchten.
Es kam langsam näher.
