Allan Simonsen: Als ein Däne den europäischen Fußball eroberte
Drei deutsche Meisterschaften, zwei UEFA-Cup-Triumphe, ein Europapokal-Finale und schließlich der Ballon d’Or – die 1970er-Jahre waren für Allan Simonsen weit mehr als nur eine erfolgreiche Epoche. Sie waren die Jahre, in denen aus einem talentierten dänischen Angreifer ein europäischer Weltstar wurde.
Simonsen, geboren 1952 in Vejle, wechselte 1972 zu Borussia Mönchengladbach und wurde dort Teil einer Mannschaft, die den deutschen Fußball nachhaltig prägte. Die „Fohlen“ gehörten damals zu den aufregendsten Teams Europas. Zwischen 1975 und 1977 gewann Borussia drei Bundesliga-Meisterschaften in Folge – und Simonsen war dabei eine der wichtigsten Offensivfiguren.
Besonders auf europäischer Bühne entwickelte Simonsen eine außergewöhnliche Präsenz. 1975 gewann Mönchengladbach erstmals den UEFA-Pokal. Im Finale gegen den FC Twente blieb die Borussia im Hinspiel zwar torlos, doch im Rückspiel explodierte die Mannschaft: 5:1 hieß es am Ende. Simonsen erzielte dabei gleich zwei Tore.
Doch sein größter europäischer Moment der 1970er sollte noch folgen. In der Saison 1976/77 erreichte Borussia Mönchengladbach das Finale des Europapokals der Landesmeister. Im Endspiel wartete der FC Liverpool. Simonsen erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1, doch Liverpool setzte sich schließlich mit 3:1 durch. Trotz der Niederlage war allein der Weg ins Finale ein historischer Erfolg.
Und dann kam 1977.
In einem Jahrzehnt, das von Namen wie Johan Cruyff und Franz Beckenbauer geprägt wurde, setzte sich Allan Simonsen gegen die europäische Konkurrenz durch und gewann den Ballon d’Or. Damit wurde er als bester europäischer Fußballer des Jahres ausgezeichnet. UEFA führt Simonsen als Gewinner des Jahres 1977, während France Football seinen Triumph ebenfalls mit Borussia Mönchengladbach dokumentiert.
Doch Simonsen war noch nicht fertig. 1979 führte er Borussia erneut zum UEFA-Pokal. Gegen Roter Stern Belgrad endete das Hinspiel 1:1. Im Rückspiel in Düsseldorf erzielte Simonsen per Elfmeter das entscheidende Tor zum 1:0. Damit gewann Mönchengladbach den Wettbewerb zum zweiten Mal – und Simonsen wurde erneut zum entscheidenden Mann.
Seine 1970er erzählen deshalb eine bemerkenswerte Geschichte: Meisterschaften in Deutschland, europäische Titel, ein verlorenes Europapokalfinale und die höchste individuelle Auszeichnung des europäischen Fußballs.
Allan Simonsen war nicht der größte Spieler auf dem Platz. Aber seine Geschwindigkeit, Technik, Beweglichkeit und Torgefahr machten ihn zu einem außergewöhnlichen Fußballer. Seine Zeit in Mönchengladbach fiel genau in die goldene Ära des Vereins – und sein Name wurde untrennbar mit dieser Generation verbunden.
Die 1970er waren für Simonsen nicht einfach eine erfolgreiche Karrierephase. Sie waren das Jahrzehnt, in dem ein kleiner dänischer Angreifer zu einer der größten Figuren des europäischen Fußballs wurde.
