Tayfun Korkut übernimmt den VfB Stuttgart – ein vertrautes Gesicht zurück im Schwabenland
Wenn der Name Tayfun Korkut im Zusammenhang mit dem VfB Stuttgart fällt, schwingt sofort Nostalgie mit. Geboren am 2. April 1974 in Stuttgart, aufgewachsen im Stadtteil Ruit, ist Korkut ein echtes Schwaben-Gewächs. Jetzt kehrt der 52-Jährige als Trainer zurück – und schließt damit einen Kreis, der 2018 schon einmal offen war.
### Vom Eigengewächs zum Chefcoach
Korkuts Verbindung zum VfB reicht weit zurück. In der Jugend spielte er für die Stuttgarter Kickers, bevor er 1995 nach Fenerbahçe Istanbul wechselte und dort zum Nationalspieler der Türkei wurde. 42 Länderspiele, Stationen in Spanien und der Türkei, eine Karriere als solider Mittelfeldspieler – Korkut kennt den Fußball aus allen Perspektiven.
Seine Trainerlaufbahn begann er im Jugendbereich. 2011 trainierte er bereits die U19 des VfB Stuttgart. Damals arbeitete er unter Sportdirektor Fredi Bobic, lernte den Verein von innen kennen und galt als moderner, analytischer Coach mit einem Faible für defensive Stabilität.
Die erste Amtszeit als Cheftrainer folgte 2018. Am 29. Januar 2018 übernahm er den abstiegsbedrohten VfB und führte die Mannschaft in einer turbulenten Rückrunde noch auf Platz 7. Für einen Moment schien es, als hätte Stuttgart seinen Mann für die Zukunft gefunden. Doch nach einem schlechten Saisonstart 2018/19 wurde Korkut bereits am 7. Oktober 2018 wieder entlassen.
### Ein Trainer mit Bundesliga-Erfahrung
Seit seinem Abschied 2018 hat Korkut nicht aufgehört, sich weiterzuentwickeln. Stationen bei Hannover 96, Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und Hertha BSC folgten. Überall brachte er seine Handschrift mit: disziplinierte Defensive, schnelles Umschaltspiel, viel Wert auf taktische Disziplin.
Besonders in Erinnerung bleibt seine Zeit bei Hannover 96 2014/15, wo er in eineinhalb Jahren einen klaren Stil etablierte. Bei Leverkusen 2017 rettete er die Werkself vor dem Absturz, indem er die Mannschaft defensiv stabilisierte. Bei Hertha BSC 2021/22 war die Zeit zu kurz, um Spuren zu hinterlassen.
Was Korkut auszeichnet, ist seine Ruhe. Er ist kein Lautsprecher an der Seitenlinie, sondern ein Trainer, der über Videoanalyse und individuelle Gespräche arbeitet. Spieler beschreiben ihn als fordernd, aber fair. Für eine Mannschaft wie Stuttgart, die in den letzten Jahren oft zwischen Hoch und Tief schwankte, kann das genau der richtige Ansatz sein.
### Warum die Rückkehr jetzt Sinn macht
Der VfB Stuttgart hat unter Sebastian Hoeneß 2023/24 den Durchbruch geschafft: Vize-Meister, Champions League, DFB-Pokal-Sieg 2025. Doch nach einer Umbruchphase 2025/26 steht der Verein wieder vor der Frage, wie man Kontinuität und Entwicklung zusammenbringt.
Korkut kennt den Verein, kennt das Umfeld, spricht die Sprache der Region. Er braucht keine Eingewöhnungszeit. Für die Vereinsführung ist das ein Vorteil, wenn man schnell Stabilität schaffen will.
Gleichzeitig bringt er Erfahrung mit jungen Spielern mit. In Stuttgart tummeln sich Talente aus der eigenen Akademie und junge Zugänge. Korkut hat in Hannover und Leverkusen gezeigt, dass er junge Spieler integrieren kann, ohne das Mannschaftsgefüge zu zerstören.
### Was Fans erwarten dürfen
Die Rückkehr eines „verträuten Gesichts“ weckt Erinnerungen an 2018, aber die Situation ist eine andere. Damals war Stuttgart im Abstiegskampf, heute ist der Anspruch höher. Korkut wird nicht nur Feuer löschen, sondern eine Mannschaft formen, die taktisch klar und mental stabil ist.
Erwartbar ist ein pragmatischer Ansatz: kompakt stehen, schnell umschalten, Standards nutzen. Spektakulärer Offensivfußball war nie Korkuts Marke. Dafür bekommt man eine Mannschaft, die schwer zu schlagen ist und wenig zulässt.
Für die Fans im Schwabenland ist es eine Rückkehr mit Symbolcharakter. Ein Stuttgarter Junge, der als Spieler den Sprung nach Europa geschafft hat, kommt zurück, um seinem Heimatverein zu helfen. Ob es diesmal für länger reicht als 2018, hängt davon ab, ob Verein und Trainer Geduld haben.
Eines ist sicher: Mit Tayfun Korkut sitzt wieder jemand auf der Bank, der den VfB nicht erklären muss. Er weiß, was es heißt, für Stuttgart zu spielen. Und genau das könnte der entscheidende
